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Kategorie: Frankfurt am Main

Stadt Frankfurt am Main RheinMain Gegend: Mainhatten, Bankfurt

Der Henninger-Turm – ein Kult feiert 60. Jubiläum

Er ist neu und doch erkennt man das Kultobjekt Sachsenhausens: Der Henninger Turm feiert heute sein 60. Jubiläum. Einst aus der Not geboren erreichte der Silobau mit Drehrestaurant schließlich doch Kultstatus. Der Weg dahin war jedoch eher steinig.

Die Idee, Gerste in einem Turm zu lagern, hatte die Henninger-Brauerei eigentlich aus Platzmangel. Man benötigte dringend mehr Lagerkapazitäten für das Getreide. Das Gelände

am Hainer Weg auf dem Sachsenhäuser Berg ließ sich aber wegen der umliegenden Bebauung nicht weiter ausdehnen. Also plante der Architekt Karl Lieser kurzerhand den Bau eines Hochsilos, der von der Firma Philipp Holzmann umgesetzt wurde. Dafür mussten einige der alten Felsenkeller im Kalkstein des Sachsenhäuser Bergs mit Beton gefüllt werden. In den Kammern des Turms konnten schließlich 15.000 Tonnen Braugerste gespeichert werden, genug für 200 Millionen Glas Bier.

Turm mit Aussicht

Der riesige Betonturm stieß bei den Sachsenhäusern auf wenig Gegenliebe, verschandelte er doch die landschaftliche Schönheit und drohte gar den Luftverkehr und Fernsehempfang zu beeinträchtigen. Die Bedenken konnten ausgeräumt und die Attraktivität durch eine Aussichtskapsel in Form eines Fasses gesteigert werden. Die größte Attraktion war jedoch das in dem Fass untergebrachte Drehrestaurant. Damit konnte man in knapp einer Stunde während des Essens das gesamte Panorama an sich vorüberziehen lassen. Das Flachdach des Silos beherbergte zudem in einem Dachgarten ein äußerst beliebtes Tanzlokal. Spätestens mit der feierlichen Eröffnung des Henninger Turms am 18. Mai 1961 mutierte das ungeliebte Gebäude zu einer „Drehscheibe der Romantik und Gemütlichkeit“.

Der Abstieg

Der Abstieg des Henninger-Turms begann in den Siebzigerjahren. Als Silo hatte er längst ausgedient und verlor 1974 auch noch seinen Rang als das höchste Gebäude der Stadt an das Selmi-Hochhaus. Das Interesse an dem Restaurant ließ nach und auch die Einrichtung eines Brauereimuseums in dem Fässchen 1981 markierte keinen Wendepunkt. Am 31. Oktober

2002 schließlich musste der sanierungsbedürftige Henninger-Turm, unter anderem wegen erheblicher Brandschutz- und Sicherheitsmängel, für den Besucherverkehr schließen. Der drohende Abriss brachte wieder die Bevölkerung auf den Plan, diesmal mit dem Wunsch, den Turm zu erhalten.

Ganz geklappt hat es nicht, aber der „neue Henninger-Turm“ sieht doch aus wie der alte, nur ein bisschen breiter und ein bisschen moderner. Ein Restaurant gibt es im Fässchen auch wieder. Allerdings genießen die Besucher im „Franziska“ nun moderne internationale Küche in „stilvollem Ambiente mit Panoramafenster“.

Osterwanderung | Raus ins Grüne

Gebautes Grün

Das Wetter könnte wunderbarer nicht sein für einen Osterausflug. Aber vielleicht mal woanders flanieren als am überfüllten Mainufer?

Leider sind die Museen geschlossen, auch die sehr informative Ausstellung “EINFACH GRÜN” im Deutschen Architektur Museum. Das soll niemanden abhalten, selbst auf die Suche nach grüner Architektur in Frankfurt zu gehen. Auf dem Sachsenhäuser Berg lassen sich einige Beispiele für Grün an und auf Gebäuden finden. Die Bilder zeigen zwei Gebäude in der Tucholskystraße und im Grethenweg.

Verbotenes Grün

Schräg gegenüber der Sachsenhäuser Warte befindet sich der Boehlepark, ein kleines grünes Kleinod mit altem Baumbestand und eindrucksvoller Architektur der Frischwasserspeicher. Nicht erst seit Corona ist dieser Park gesperrt, sondern bereits seit über 15 Jahren. Weil man sich nicht einigen kann, wer das Geld für den Unterhalt bezahlen soll. Namensgeber des Parks ist Fritz Boehle, ein Künstler, der auch unweit ein Wohn- und Atelierhaus besaß (I. Wartegäßchen 5; zweites Bild). Von Boehle stammt der “Schreitende Stier”, eine Skulptur die zunächst im Boehlepark stand und nun im Günthersburgpark “schreitet”. Wir fordern: Macht den Park wieder auf und holt den Stier nach Hause!

Nacktes Grün

Unser Osterspaziergang führt uns in den Wald in Richtung Neu-Isenburg; entweder parallel zur Darmstädter Landstraße oder quer durch den Wald über die Brücke, die über den #Jacobiweiher führt (kleiner netter Umweg). Auch wenn die Bäume noch sehr spärlich belaubt, fast noch nackt sind, ein wenig Waldbaden tut Körper und Geist gut. Wir queren Neu-Isenburg auf der Hugenottenallee von Nord nach Süd und bewundern auf halber Strecke das alte Postgebäude aus den 1930er Jahren. Im Süden von #NeuIsenburg führt uns der Weg wieder in den Wald in Richtung Buchschlag. Waldbaden Teil 2.

Bewohntes Grün

Als der Frankfurter Unternehmer und Sozialreformer Jakob Latscha den Buchschlag für sich und seine genossenschaftlichen Wohnideen entdeckte, gab es dort nur Wald (und die Schienen der Main-Neckar-Bahn). Aus den lebensreformerischen und christlichen Lebensentwürfen für den kleinen Mann und die kleine Frau ist allerdings nichts geworden. Großherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt lies eine Wohnsiedlung im Grünen für das Großbürgertum bauen, dem die Stadt zu laut und zu dreckig war und ist. Hübsch anzusehen ist diese “englische Gartensiedlung im hessischen Wald” trotzdem. Wer die 2- bis 3-stündige Wanderung von Frankfurt aus absolviert hat, dem sei eine Pause auf den Bänken vor der Kirche im Buchweg mehr als gegönnt. Kraft tanken für den Spaziergang durch Buchschlag, um die vielen wunderschönen Häuser zu entdecken. Auch einige der neueren Bauten haben ihren Reiz.

Frohe Ostern wünscht die Stadtführerei!

Zum Weltfrauentag 8. März 2021 | Wer war Luce d´Eramo?

Oder, wie die Realität eine Gesinnung verändert – die Geschichte einer Europäerin

Luce Mangione wurde 1925 in Reims, Frankreich, als Tochter einer italienischen Familie geboren. Sie wuchs in einer in einer bürgerlichen Familie auf, deren politische Gesinnung dem italienischen Faschismus mehr als Nahe stand. So war Luces Vater war 1943 Staatssekretär der faschistischen Republica Sociale Italiana. Mit Beginn des zweiten Weltkriegs kehrte die Familie nach Italien zurück.

Im Februar 1944 meldete Luce sich freiwillig als Fremdarbeiterin für den Arbeitseinsatz im Deutschen Reich. Sie war davon überzeugt, dass nichts an den sich ausbreitenden Nachrichten über Gräueltaten im Deutschen Reich stimmte. Sie wurde in einem Betrieb der I.G. Farben in Frankfurt Höchst eingesetzt und hier sehr schnell von der Realität der Zwangsarbeit in deutschen Betrieben eingeholt. Hierüber geriet Ihre faschistische Überzeugung ins Schwanken.

Sie kämpfte zunächst für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen und sie nahm an Revolten und Streiks teil. Als Tochter einer angesehen Italienischen faschistischen Familie wurde sie deswegen nicht bestraft, sondern nach Italien zurückgeschickt. Dort angekommen führte Luce ihren Widerstand fort. Die SS deportierte sie schließlich in das Konzentrationslager nach Dachau. Ihr Widerstand ging auch hier weiter. Durch einen schweren Unfall, verursacht während einer Rettungsaktion in einem bombardierten Mietshaus in Mainz, war sie fortan von der Hüfte abwärts gelähmt.

Nach Kriegsende heirate sie den Philosophielehrer Pacifico d´Eramo und ihre Karriere als Autorin begann. Sie studiert Philosophie und Literaturwissenschaften, war in Kontakt mit bekannten Literaten, wie Giacomo Leopardi, Alberto Moravia und Ignazio Siloni. Mit ihrem Sohn Marco d´Eramo hielt sie sich Anfang der 60er Jahre für eine gewisse Zeit in Glashütten im Taunus bei der Ärztin auf, die sie 1945 in Mainz behandelt hatte und mit der sie seither befreundet war. Ihr Schicksal blieb eng mit Frankfurt verbunden.

1988 besuchte sie die Frankfurter Buchmesse und verunglückte mit ihrem Rollstuhl, was ihren Gesundheitszustand erheblich verschlechterte. Luce d`Eramo verstarb 2001 in Rom.

Lernen sie diese Frau bei einer Literarischen Führung, die wir während der Buchmesse 2021 in Höchst anbieten werden, kennen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Um diesen zu planen, schauen Sie gerne auf unserer Seite www.Stadtfuehrerei.de oder auf Facebook

Frankfurt und seine Traditionen – Das 6 1/2-Jahrhundert alte Karlsamt im Frankfurter Dom

Am Sonntag, den 30.01.2021 wird im Bartholomäusdom zu Frankfurt das Karlsamt gefeiert. Diese Tradition reicht bis ins frühe 14. Jahrhundert zurück zum jährlichen Gedenken an den Gründervater Europas, den Patron der Stadt und auch des Domes, Karl den Großen, der am 28. Januar starb.

Das Hochamt, das ihm zu Ehren abgehalten wird folgt Traditionsgemäß einem Protokoll:

Eine Viertelstunde vor dem Hochamt intoniert die Karolus- oder auch Osiannaglocke die Zeremonie. Sie ist mit 4.630 Kg und fast 2 Metern Höhe die zweitgrößte Glocke des Domes, an deren Flanken zwei Reliefs zu sehen sind. Auf der einen Seite eine Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes und auf der anderen Kaiser Karl der Große im Ornat und mit Insignien.

Wenn die Glocke Punkt 18 Uhr verstummt, leuchten Kerzen feierlich den Würdenträgern und den Vertretern der fünf Orden (Grabes- und Malteserorden, Johanniter, Deutschordensherren, Lazarus Brüder und die Schleiertragenden Ordensfrauen) den Weg durch den Mittelgang zum Altar.

Mittelalterliche Gesänge und die Karlssequenz, die aus der Mitte des letzten Viertels des 12. Jahrhunderts stammt, sowie die Christus und Karlslaudes begleiten die „geschmackvolle Nachahmung des Altertums“, wie Goethe 1764 bemerkte.

Doch diese Tradition ist weit mehr. Nicht nur zählt sie zu einer der ältesten, sie schaut auch in die Zukunft. In jedem Jahr ist ein Gastprediger als Hauptzelebrant eingeladen. Die europäische Idee und der Zusammenhalt spielen dabei eine große Rolle. In diesem Jahr, in dem auch das Karlsamt zu Frankfurt von seiner Tradition abweichen muss, wird Dr. Gerhard Feige, Bischof von Magdeburg, erwartet.

Da aus Gründen der Pandemie der Dom nicht wie gewohnt besucht werden darf, wird das Hochamt live über Youtube übertragen.

https://www.dom-frankfurt.de/aktuelles/meldungen/eine-messe-die-ihresgleichen-sucht-so-wird-das-karlsamt-corona-zeiten

Mehrtägiger Städtetrip nach Frankfurt am Main – die kleine Metropole entdecken

Auf kleiner Fläche konzentriert sich in Frankfurt allerhand: Geschichte, unzählige Museen, Architektur aller Couleur, viel Grün mit großem Wald und schönen Parks sowie eine quicklebendige gastronomische Szene. So viel, dass alles mit einem Tagestrip nicht ansatzweise erkundet und erlebt werden kann.

 

Nachhaltig urlauben in der Stadt Frankfurt am Main

Das Bio Hotel Villa Orange, unweit der Innenstadt und doch ruhig gelegen, bietet zusammen mit der Stadtführerei verschiedene Pakete für den mehrtägigen Aufenthalt in Frankfurt an. Als Paar, mit guten Freunden oder auch mit dem Hund, Stadtführung mit der Stadtführerei inklusive.

Frankfurt-Minigruppen-Package

Gemeinsam mit den besten Freunden Frankfurt erleben

Das Minigruppen-Package enthält folgende Leistungen:

2 Übernachtungen im Orange Plus-Doppelzimmer (2 Personen) oder im Classic-Einzelzimmer (1 Person)
2 x ein wunderbares Frühstück in Bio-Qualität
Die Frankfurt Card für einen Tag mit kostenlosem Nahverkehr und Vergünstigungen bei vielen Museen und Einrichtungen.
1 x besondere Stadtführung (1,5 Stunden) mit der Stadtführerei durch die neue Altstadt von Frankfurt

Weitere Informationen, Preise und Buchung auf www.villa-orange.de

Frankfurt mit Hund

Wuff und weg – gemeinsam mit dem besten Freund Frankfurt erkunden

Das Hunde-Kultur-Package enthält folgende Leistungen:

2 Übernachtungen im Orange Plus-Doppelzimmer (2 Personen) oder im Classic-Einzelzimmer (1 Person)
2 x ein wunderbares Frühstück in Bio-Qualität
Näpfe, Hundebett, eine Fressunterlage und ein Begrüßungsleckerli in Bio-Qualität
Die Frankfurt Card für einen Tag mit kostenlosem Nahverkehr und Vergünstigungen bei vielen Museen und Einrichtungen.
1 x individuelle Stadtführung mit der Stadtführerei (ca. 1,5 Stunden) zu Kunst im öffentlichen Raum mit Hunde-Selfie auf dem Ich-Denkmal; alternativ eine Neue-Altstadt-Führung oder eine Führung im Kochkunst-Museum – alles mit Hund! Bei Buchung unseres Paketes haben Sie für sich einen eigenen Gästeführer und können Tag und Uhrzeit frei wählen.

Weitere Informationen, Preise und Buchung auf www.villa-orange.de

Wäldchestag 2020

Dieses Jahr ist vieles #annerster als wie sonst. Einst bleibt, unser Büro ist heute (2. Juni 2020) ab 12 Uhr nicht zu erreichen: Wäldchestag!

Das Foto zeigt die übrigens die Familie unseres Kollegen Mikael GB Horstmann. Der Junge mit der Termoskanne ist seinGroßvater, der Erste in der Familie, der in Frankfurt geboren wurde. Die beiden in der Bildmitte sind die Urgroßeltern, die aus dem Fuldarer Land (er) und aus Lübeck (sie) ihren Weg nach Frankfurt gefunden haben. Das Foto wurde vermutlich bei einem Picknick im Nieder Wald in Frankfurt-Nied aufgenommen, was der nächste Wald vom Frankfurter-Gallus aus gesehen ist.

Die Altstadt-Trilogie

Öffentliche Führungen am Fronleichnam-Wochenende

Drei Führungen in drei Altstädten in einer Stadt

Neue Altstadt versus alte Altstadt. Doch welche der Frankfurter Altstädte hat die ältesten Häuser und Straßen? Was ist wirklich alt, was ist nachgemacht? Wir laden Sie herzlich ein auf drei Erkundungstouren mit Stadt- und Fachwerkführer Mikael GB Horstmann, um Alt-Höchst, Alt-Sachsenhausen und Alt-Frankfurt neu kennenzulernen.


Altstadt-Trilogie 1: Alt-Höchst
Donnerstag, 11. Juni 2020 17 Uhr

Frankfurt-Höchst ist Mitglied in der Deutschen Fachwerkstraße. Zu Recht! In der intakten und malerisch schön renovierten Altstadt der einst eigenständigen und eigenwilligen Stadt Höchst am Main, östlicher Vorposten der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten. Eine Höchst-Stadtführung mit pittoreskem Fachwerk, Porzellan und Chemie. Ein Spaziergang mit Höchster Geschichte und Geschichten, Architektur von der Romanik bis zum Jugendstil, Höchster Markttreiben und Gastronomie, Höchster Porzellan. Entdecken Sie auf einer Stadtführung die Altstadt von Frankfurt-Höchst.

Weitere Informationen und Buchung unter:
www.stadtfuehrerei.de/blog/events/altstadt-trilogie-althoechst/


Altstadt-Trilogie 2: Alt-Sachsenhausen
Freitag, 12. Juni 2020 17 Uhr

Die Altstadt von Sachsenhausen beherbergt Frankfurts ältestes Fachwerkhaus, eine Barockkirche und viele weitere besondere Altbauten. Hier ist die Hochburg des Apfelweins, der in Strömen in den alteingesessenen Apfelweingaststätten ausgeschenkt wird. Umrahmt werden diese Horte der charmant-ruppigen Frankfurter Gemütlichkeit von der vielfältigen internationalen Küche der japanischen, schwedischen, argentinischen oder peruanischen Restaurants. Eine besondere Dichte gibt es bei den französischen Restaurants und Bistros, die, zusammen mit den Boutiquen, Galerien und Ausstellungsräumen, Alt-Sachsenhausen zum Montmartre von Frankfurt am Main machen.

Weitere Informationen und Buchung unter:
www.stadtfuehrerei.de/blog/events/altstadt-trilogie-altsachsenhausen/


Altstadt-Trilogie 3: Alt-Frankfurt
Samstag, 13. Juni 2020 17 Uhr

Fast alles Alte in der berühmten Frankfurter Altstadt ist in den Luftangriffen des II. Weltkriegs zerstört worden. Einiges ist aber bereits vor dem Krieg, anderes sogar erst nach dem Krieg verloren gegangen. Doch auch das Neue in der Altstadt trägt Geschichte und Geschichten in sich, die weit über den II. Weltkrieg zurückgehen. Eine Führung nicht über das Verschwundene, sondern über das Existierende in der immer wieder neuen Altstadt Frankfurts.

Weitere Informationen und Buchung unter:
www.stadtfuehrerei.de/blog/events/altstadt-trilogie-altfrankfurt/

 

Es geht wieder los. Wir gehen wieder los!

Gästeführer im Home Office sind ein Widerspruch in sich. Deswegen freuen wir uns umso mehr, dass wir Sie nun wieder durch Frankfurt begleiten dürfen. Um den gebotenen Abstand einzuhalten und Ihnen ein ansteckungsfreies Vergnügen zu bereiten, bieten wir ab sofort audiounterstützte Touren mit max. 10 Teilnehmern an. Für die Teilnahme benötigen Sie lediglich ein Mobiltelefon mit passendem Kopfhörer und mit ausreichendem Gesprächsguthaben, idealerweise eine Flatrate ins deutsche Festnetz. Eine App oder Datenvolumen oder -flatrate sind nicht erforderlich. Probieren Sie es aus.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.stadtfuehrerei.de/corona/

Es geht wieder los. Wir gehen wieder los!

Frankfurt virenfrei entdecken im Mai 2020

Gästeführer im Home Office sind ein Widerspruch in sich. Deswegen freuen wir uns umso mehr, dass wir Sie nun wieder durch Frankfurt begleiten dürfen. Um den gebotenen Abstand einzuhalten und Ihnen ein ansteckungsfreies Vergnügen zu bereiten, bieten wir ab sofort audiounterstützte Touren mit max. 10 Teilnehmern an.

Für die Teilnahme benötigen Sie lediglich ein Mobiltelefon mit passendem Kopfhörer und mit ausreichendem Gesprächsguthaben, idealerweise eine Flatrate ins deutsche Festnetz. Eine App oder Datenvolumen sind nicht erforderlich.
Probieren Sie es aus.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.stadtfuehrerei.de/corona/

Wir freuen uns auf Sie. Los geht’s!
Ihr Stadtführerei-Team

Die Schriften auf dem Haus Zu den drei Römern

Das Haus Zu den drei Römern mit der Adresse Markt 40 in der Neuen Altstadt von Frankfurt am Main ist geschaffen worden vom Architektenduo Jordi und Keller. Es ist eine Neuschöpfung, die mit der Architekturgeschichte von Frankfurt spielt. Zudem sind auch einige charmante Geschichtchen eingebaut. Das Haus hat ein Hausmotto (“Heraus mit den Tröpfgen”) und Reimsprüche, die über den Auskragungen umlaufend in den Sandstein gemeißelt sind. Woher diese Sprüche stammen, ist eine gelegentlich gestellte Frage.

Georg Wilhelm Pfeiffer, Der Mann aus dem Römer

http://gutenberg.spiegel.de/buch/-9182/21

Die Inschriften stammen vom Haus “Kleiner Römer”. (auch “Kleiner Flößer”: südliches Ender der Rapunzelgasse, an der Flößergasse, am Römerberg und Fünffingerplätzchen gelegen). Es wurde 1934 im Erdgeschoss zu einer Bedürfnisanstalt für die Besucher der Römerberg-Festspiele umgebaut. [siehe auch F. Lübbecke, Das Altstadt-Modell der Gebr. Treuner].

Georg Wilhelm Pfeiffer, Der Mann aus dem Römer überliefert uns in seiner Novelle “Der Mann aus dem Römer” diese Texte auf der Fassade des kleinen Römers und er gibt uns seine Vorstellung zum Besten, warum diese Inschriften entstanden sind. Sie werden bei der Hauseinweihung des “Kleinen Römers” die Inschriften freigelegt:

“Über der Eingangstür im Schlußsteine des Bogens zeigte sich nun auf einem Wappenschilde ein Römerglas, oben darüber ein Band mit der Inschrift: Zum kleinen Römer, und darunter die Jahreszahl 1720 sowie die Buchstaben P. I. R., unter dem Schild selbst aber ein zweites Spruchband mit der Inschrift: Heraus mit dem Tröpfchen. (…)

Dieser näherte sich jetzt in gravitätischem Schritte den Eckpfeilern seines Hauses, wohin ihm die Eingeladenen ebenfalls folgten. Hier zeigte er auf zwei in gedachten Pfeilern eingesetzte durch Steinhauerarbeit ausgezierte Tafeln mit Inschriften.
Neugierig reckten alle die Hälse. Da gebot Reinhart Ruhe und als diese eingetreten war, richtete er stolz den Kopf zu der einen Inschrift empor und las:
»Dorn und Disteln stechen sehr.
Falsche Zungen noch viel mehr.
Doch wil ich lieber durch Distel und Dorn baden,
Als mit falschen Zungen sein beladen.«

Darauf zu dem anderen Eckpfeiler tretend, trug er auch hier die in Stein gehauene Schrift vor:
»Wann der Neid brend wie das Feuer,
So wer das Holz nicht halb so teuer,
Weren der Neider noch so vil,
So geschieht doch, was Gott haben wil.«”

In den Anmerkungen steht noch folgendes:

“Die Inschrift über der Haustür lautet:

ZVM KLEINEN RÖMER
1720
P I R
HERAVS MIT DEM DRÖPFGEN

An der Südwestecke:

DORN || VND DISTEL STECHEN || SEHR FALSCHE ZVNEN NOCH || VIEL MEHR DOCH WILL ICH LIEBER || DVRCH DISTELN VND DORNEN BADEN || ALS MIT FALSCHEN ZVNGEN || SEIN BELADEN

An der Südostecke:

WAN DER || NEID BREND WIE DAS || FEVER SO WER DAS HOLTZ || NICHT HALB SO TEVER VND || WEREN DER NEIDER NOCH || SO VIL SO GESCHICHT || DOCH WAS GOTT || HABEN || WILL”

Ursprünge

Pfeiffer hat vermutlich die Reime nicht erfunden, sondern die Schriften auf dem Haus “Kleiner Römer” gelesen und sich eine Geschichte ihrer Entstehung ausgedacht. Diese ist dann 1860 erschienen. Woher stammen also die Worte auf dem Haus? Es gibt ein Volkslied im dritten Band “Des Knaben Wunderhorn”, gesammelt von Clemens von Brentano und Achim von Armin, in dem ein Teil der Reime und das Liebesmotiv in Pfeiffers Novelle bereits anklingen:

Heimlicher Liebe Pein.

Mein Schatz der iſt auf die Wanderſchaft hin,
Ich weiß aber nicht, was ich ſo traurig bin,
Vielleicht iſt er todt, und liegt in guter Ruh,
Drum bring ich meine Zeit ſo traurig zu.

Als ich mit meim Schatz in die Kirch wollte gehn,
Viel falſche falſche Zungen unter der Thuͤre ſtehn,
Die eine redt dies, die andre redt das,
Das macht mir gar oft die Auͤgelein naß.

Die Diſtel und die Dornen, die ſtechen alſo ſehr,
Die falſchen falſchen Zungen aber noch viel mehr,
Kein Feuer auf Erden auch brennet alſo heiß,
Als heimliche Liebe, die Niemand nicht weiß.

Ach herzlieber Schatz, ich bitte dich noch eins,
Du wolleſt auch bei meiner Begraͤbniß, ſeyn,
Bei meiner Begraͤbniß, bis ins kuͤhle Grab,
Dieweil ich dich ſo treulich geliebet hab.

Ach Gott! was hat mein Vater und Mutter gethan,
Sie haben mich gezwungen zu einem ehrlichen Mann,
Zu einem ehrlichen Mann, den ich nicht geliebt,
Das macht mir ja mein Herz ſo betruͤbt.

Der gesamte Reim (ein altes deutsches Sprichwort) ist aber u.a. bereits im 1684 von Johann Balthasar Schupp herausgegeben Buch “Lehrreiche Schrifften, Deren sich Beydes Geist- als Weltliche, weß Standes und Alters sie auch sind, nützlich gebrauchen können” abgedruckt:

“Eben ein solches Feuer richtet eine verlogene Zunge an. Jener alte Teutsche sagte: Dorn und Distel stechen sehr / falsche Zungen noch viel mehr / noch wollt ich lieber unter Dorn und Distel baden / als mit falschen Zungen.

Der Anfang des zweiten Reims scheint ebenfalls ein altes Sprichwort zu sein. Es taucht bereits in einem 1666 in Frankfurt gedruckten Buch auf, im “Conciones miscellaneae d. i. unterschiedliche Predigten von allerhand Materien…” von M. Hartmanno Creido (der Eingebildete?):

Wann Neid brent wie Feuer / So wär das Holtz nicht so theuer.

Auch in der 1790 erschienen Schrift “Chronic von Berlin oder Berlinische Merkwürdigkeiten, siebtes Bändchen” ist eine Fortsetzungsgeschichte in Dialogform abgedruckt in der dieser Text vorkommt:

Wenn der Neid brennt wie das Feuer, so wär das Holz nicht halb so theuer. Dieses Verschen habe ich auf einer irdenen Schüssel gelesen und es sehr bewährt gefunden.”

Die abgedruckte Geschichte heißt übrigens “Bewährtes Mittel eine reiche Frau zu bekommen”.

Ein letztes: Der letzte Teil scheint schon im alten Griechenland bekannt gewesen zu sein:

Wenn Gott giebt, dann hilfft kein Neyd; wenn Gott nicht giebt, hilfft keine Arbeit. Wären der Neyder noch so viel, geschieht doch, was Gott haben wil.

Also weder Pfeiffer noch Brentano, sondern der Volksmund ist der Urheber – mit ein bisschen Spicken bei den alten Griechen.

Neugierig geworden? Mehr zum Thema Literatur und DomRömer können Sie hören und sehen auf einem literarischen Spaziergang durch die Neue Altstadt: